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Wie lebt es sich aufgeräumt?

Schon seit mehreren Jahren versuche ich, nachhaltiger zu leben. Der Prozess hatte sich so nach und nach ergeben, ohne daß ich es geplant hatte. Unter anderem geht es dabei darum, weniger Zeug zu besitzen, denn wir werden ständig animiert, immer wieder etwas zu kaufen und unsere Wohnungen damit vollzustopfen.

Die Japanerin Marie Kondo hat 2013 (deutsch) mit Erscheinen ihres Buchs „Magic Cleaning“ einen großen Gegentrend zum allgegenwärtigen Konsumverhalten ausgelöst und ich wollte mir das Buch in der Stadtbibliothek ausborgen, aber es ist (nach wie vor!) stets verliehen. Dank Youtube habe ich mich dann über die „Konmari-Methode“ informiert und finde diese freundliche kleine Frau, die sich als „verrückte Aufräumerin“ bezeichnet ganz entzückend. Laut Times-Magazin zählt sie zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt!

Also kein Marie Kondo-Buch – macht aber nichts, denn so kam ich auf ein anderes, nämlich 
„Less is more – Von der Freude des Weglassens“ der Amerikanerin Francine Jay, das ich Euch wirklich ans Herz legen möchte.
Francine bloggt seit 2009 als „Miss Minimalist“ (missminimalist.com) über nachhaltigen Konsum und einen minimalistischen Lebensstil. Damals gaben sie und ihr Mann viele Dinge weg, um eine Weltreise zu machen. Die Familie reist noch immer gern und lebt derzeit glaube ich in Oregon, aber die Grundregeln und Ansätze des nachhaltigen Lebens sind nicht so unterschiedlich wie in Europa oder Asien. Sie ist natürlich auch auf Twitter und Pinterest zu finden und wer mag, kann auch da mal reinschauen.

Aber zurück zum Buch. Es ist klar und übersichtlich geschrieben, nie langweilig und vor allem versucht Francine, „Aufräum-Anfängern“ eine Hilfestellung an die Hand zu geben, die erstmals ihren Besitz und ihr Kaufverhalten hinterfragen. Ich finde, es spricht gleichermaßen Frauen und Männer an und ist 2016 bei Goldmann als Taschenbuch mit 320 S. auf deutsch erschienen (2010 u. 2018 auch als „Aufgeräumt macht glücklich“).

Das Taschenbuch hat keine Abbildungen und ist so positiv und inspirierend geschrieben, daß es das gar nicht braucht. Der Schreibstil ist humorvoll und nie belehrend, die einzelnen Kapitel sind übersichtlich unterteilt und tragen Titel, wie „Weniger Dinge – mehr Freiheit“, „Lerne, Platz zu schätzen“ oder „Die Freude am Genug“ und – das gefällt mir besonders gut – „Befreie die Oberflächen“!

Nachdem die Philosophie des Minimalismus erklärt wird, geht es anhand von grundlegenden Regeln an die Umsetzung. Dabei führt Francine den Leser durch die einzelnen Räume einer Durchschnittswohnung, immer unterteilt in die Kapitel „Entrümpeln – Eingrenzen – Erhalten“ und man spürt, daß die Frau aus eigener Erfahrung weiß, wovon sie schreibt. Zum Schluß gibt es Ideen für Familien/Mitbewohner und ein praktisches Register zum Nachschlagen.

Als Tipp: Es gibt noch andere Bücher von Francine Jay „Miss Minimalist“ 2011, „The Joy of Less“ und Ende Februar erscheint ihr neues Werk „Lightly“. Ich werde mir noch das eine oder andere zulegen, denn vielleicht gibt es Tipps, die ich noch nicht kenne…Das Buch macht jedenfalls Lust aufs „Loslassen“ und Raum schaffen für jene Dinge, die wir wirklich brauchen oder die uns am Herzen liegen. 

Also, ich „befreie meine Oberflächen“ immer mehr, um bewußt und mit Freude den gewonnenen Platz zu bewohnen. Vielleicht habt Ihr auch Lust darauf bekommen…

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