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Online Leber/Galle-Reinigung

Ich bin jetzt 51 und als ich die Werbung für die Leber/Gallereinigung erhielt und mir die ersten Erklärvideos angesehen hatte, dachte ich mir, dass es wirklich mal an der Zeit wäre, mich innerlich zu reinigen. Man vergisst so leicht darauf, dass sich im Körper Dinge ansammeln könnten, die er über die Jahrzehnte selbst nicht mehr abbauen kann. Vielleicht hatte ich einpaar kleine Gallensteine und wusste es gar nicht? Meine Neugier war jedenfalls geweckt.

Im Grunde ernähre ich mich relativ gesund: Ich esse kaum mehr Milchprodukte (ausser Butter), seit 10 Jahren kein Fleisch mehr, dafür ein wenig Fisch, zugegebener Maßen etwas zu viel Kohlehydrate und zu wenig Gemüse, aber wenig Zucker, keine Softdrinks, trinke hauptsächlich Wasser, so gut wie keinen Alkohol, esse Biobrot- eher Dinkel als Weizen und wenig Fertigprodukte.

Aber in meiner Jugend galten Milchprodukte als sehr gesund, es gab viel Fleisch und Wurst. Weißer Zucker und weißes Mehl waren ganz normal und Pestizide wurden im großen Stil gespritzt und man wusste lange Zeit nichts davon. Erst als der Hausbrunnen meiner Eltern aufgrund der hohen Nitratbelastung (ein grosser Acker liegt direkt vor dem Haus) nicht mehr verwendet werden durfte und das Wasser lieber aus der (damals errichteten) Wasserleitung entnommen werden sollte, wunderte ich mich als Kind zum ersten Mal ein wenig.

Irgendwann in meinem Leben muss ich auch mit PCB in Kontakt gekommen sein, denn bei einem Biofeedback vor ca. 15 Jahren fanden sich größere Mengen davon in meinem Körper. Bis heute weiß ich nicht, aus welchem Gebäude dieser Fugenfüller permanent ausgedünstet war.

Jedenfalls überlegte ich gar nicht lange und meldete mich an, bestellte das Leber/Galle-Reinigungsset, druckte mir die Online-Anleitungen für die einzelnen Tage aus und bestellte mir auch gleich einen Entsafter. Da die Gemüsesäfte, wenn man sie fertig bestellen würde, so viel wie ein halber Entsafter kosteten, rechnete ich mir durch, dass ich die Ausgabe mit einer weiteren Leberreinigung wieder ausgleichen könnte. Außerdem hätte ich die Möglichkeit, mir täglich einen grünen „Shot“ aus Wildkräutern oder einen Gemüsemischsaft zu pressen, auch wenn die Leberreinigung abgeschlossen wäre. Der Versender war etwas ungeschickt, schickte den Entsafter zuerst an eine falsche Adresse, sodass er erst knapp vor Beginn der Leberreinigung eintraf, aber es ging sich gerade noch aus.

Dann galt es, sehr viel Biogemüse zu kaufen, allen voran Granny Smith- oder Topaz-Äpfel in Bioqualität wegen der Apfelsäure, weiters Selleriestangen, Gurken, Fenchelknollen, Rote Beete, Zucchini, Kurkuma, Karotten, Ingwer, Süßkartoffeln, Topinambur, Pastinaken, Petersilwurzeln (bekam ich nicht), Granatäpfel und Zitronen. Diese Zutaten sollten also entsaftet und dann noch durch ein Sieb gegeben werden, um feste Rückstände zu entfernen. Es sollten täglich 1,5-2L Press-Saft mit 70% Apfelanteil getrunken werden und ich gebe zu, das war mir mit den Tees einfach zu viel. Für mich hätten knapp über 1L/Tag gereicht, da der Saft immer mit der gleichen Menge Wasser aufgefüllt werden musste. Es blieb also jede Menge Gemüse über, das ich nach Abschluss der Kur einfach zum Kochen und „Wild Fermentieren“ verwendet habe. Aber dazu in meinem nächsten Blog…

Da es sich ja um eine Online-Leber/Gallereinigung handelte, wurden wir Teilnehmer in der Vorbereitung und dann in der eigentlichen Reinigungsphase immer wieder mit Webinaren begleitet. Es gab im Mitgliederbereich tolle Videos über die Anwendung der einzelnen Produkte und über den allgemeinen Ablauf. Alles sehr professionell und auch unterhaltsam. Im Chat konnte jeder Fragen stellen, es gab sogar eine Notfall-Hotline (die aber kein einziger der Teilnehmer in Anspruch nehmen musste).

Man startete also mit einem Vorbereitungstag, an dem nur mehr bis 14.00h ein leichter Gemüsesnack gegessen werden durfte und begann schon mal mit 2 verschiedenen Tees über den Tag verteilt – am darauffolgenden Tag wurden daraus 3 verschiedene Tees, immer in gewisser Reihenfolge zu bestimmten Zeiten. Da mein Körper registrierte, dass er abends keine feste Nahrung mehr bekam, wurde mir ein bisschen kalt, aber das ist am ersten Tag immer so, wenn ich faste.

Es folgte der 1. Saftfastentag mit dem Pressen des Gemüsesafts. Zuerst Tee trinken, dann einen Wildkräutersmoothie pressen und trinken, dann einen Granatapfelsaft pressen und trinken, dann Gemüse waschen, schnippeln und vorbereiten für den Gemüsesaft, den man über den Tag verteilt trinkt. Ich dachte mir, wenn ich zuerst die Äpfel presse, könnte ich gut kontrollieren, dass der Apfelanteil min. 70% beträgt. Mein Entsafter fand das gar nicht gut, verstopfte immer wieder bei den harten Apfelstücken, erzeugte viel Schaum im Gerät, der nicht ablief, sodass ich alles reinigen und wieder auseinander nehmen musste. Ich steckte dann Apfel und andere Gemüse abwechselnd in den Entsafter. Das ging besser; ich verlor aber ein wenig den Überblick über den Apfelanteil. Mit dem Entsaften war ich mal locker 1 Stunde beschäftigt, denn am ersten Tag machte ich noch 1,5L, trank dann aber nur 1,25L. Dazwischen Nierentee trinken, Lebertee ansetzen und zum ersten Mal Saft aus der Cassia Fistula (Indischer Goldregen) trinken, um die Darmentleerung in Schwung zu bringen. Wieder Tee trinken, diesmal für die Leber. Durch die Cassia Fistula, die man nebenbei auch lutscht, funktionierte die Darmentleerung tadellos, denn wenn der Darm voll ist, kann sich die Leber bzw. Galle nicht gut entleeren. Ich hatte gar keine Gelegenheit, Hunger zu bekommen, weil ich so sehr mit dem Trinken beschäftigt war.

Der 2. Safttag ähnelt dem vorigen, der 3. Safttag auch, aber nach 16.00h wird nichts mehr getrunken, denn abends wird die eigentliche Leber/Gallereinigung eingeleitet. So, da wurde es spannend, denn es galt für den Abend einiges vorzubereiten. Ich plante die Einleitung der Leberreinigung für 20.00h, damit der innere Spülungsprozess von 3 Stunden vor der eigentlichen Galle/Leber-Tiefschlafphase-Entgiftungszeit (23.00-4.00h) abgeschlossen ist.

In einem Webinar wurden noch letzte Fragen beantwortet, wir wurden genau instruiert in die spannende Phase entlassen und ich wärmte meine Leber ca. 15min. vor Beginn mit einer Wärmeflasche auf und legte mir den Leberwickel (Lappen mit Rhizinusöl) und Handtuch darüber an. Eine helfende Hand ist allerdings empfehlenswert, denn allein tut man sich schwer, den Wickel gleichzeitig zu halten und mit einer Mullbinde zu fixieren. Dann trank ich brav fast 200ml Mariendistelöl und die gleiche Menge Zitronensaft hinten nach und legte mich sofort mit Wärmflasche an der Leber und erhöhtem Kopf ins Bett.

Man darf sich dabei 3 Stunden nicht bewegen. Nur Kopf, Arme und Füße dürfen bewegt werden, um beispielsweise ein Buch zu halten. Manche Menschen können einfach einschlafen. Ich leider nicht. Eine Zeit lang habe ich also gelesen, dann etwas MP3 gehört (am Handy sollte man nicht herum spielen, das stresst den Körper). Ich fühlte mich eigentlich ganz gut obwohl mir anfangs kalt war.

Aufgrund der Wärmeflasche wurde mir dann immer wärmer und das war auch so vorgesehen, denn man sollte fest zugedeckt bis zum Hals bleiben und schwitzen. An Schlaf war wegen der ungewohnten Liegeposition und der Hitze nicht zu denken, denn ich schlafe ansonsten lieber auf der Seite. Die vorgeschriebenen 3 Stunden blieb ich aber regungslos liegen. Es grummelte ein wenig mal hier mal dort, aber ich spürte nichts und blieb auch noch bis 2.00h wie vorgeschrieben, brav liegen. Danach drehte ich mich ein bisschen auf die Seite, konnte aber immer noch nicht schlafen. Gegen 4.30h wurde mir immer übler und um 4.45h mußte ich einen Großteil des Mariendistelöls und des Zitronensafts erbrechen. Dann ging es mir wieder besser. Es sind angeblich nur 15% der Teilnehmer, die sich übergeben müssen, allen anderen ging es fabelhaft, wie ich später lesen konnte…Hmpf.

In der Früh musste noch einmal die Cassia Fistula getrunken werden. Nach dieser schlaflosen Nacht fühlte ich mich am Vormittag etwas benommen, aber es wurde später besser. Auf ein leichtes Frühstück hatte ich keine Lust und aß zu Mittag nur etwas Rohkost. Das sollte man auch tun, damit wieder etwas in den Darm kommt und die Ausscheidungen der Leber/Galle im Darm weiter gedrückt werden.

Ab 9.00h begann meine Ausscheidungsphase, die zuerst wenig (Leber-)Schleime zeigte (diese sind aber toxischer, als so manche Verhärtung und weisen auf Strahlungen hin). Um die Ausscheidungen zu identifizieren, muss man sie mit einem Sieb auffangen und mit Wasser ausspülen, ansonsten meint man, es handelt sich einfach nur um Kot. Sorry, aber so ist es nun mal. Dann kamen unterschiedliche Schübe mit kleinen grünen Verhärtungen (Vorstufen von Gallensteinen) und dann größere Mengen cholesteriner Verseifungen. Das darf man sich vorstellen wie ein Abflussrohr, das längere Zeit nicht gereinigt wurde und dessen Durchmesser dann von Fettablagerungen zugestopft ist. Bin ich froh, daß ich das Zeug los geworden bin! Da hat sich die Mühe doch gelohnt!

Der Einlauf mit rohen Kaffeebohnen, den man am darauf folgenden Tag unbedingt wegen der Rückvergiftung im Blut durchführen sollte, brachte mir ein regelrecht euphorisches Gefühl: Ich fühlte mich wie neu geboren (war wahrscheinlich total high wegen dem Kaffee!), befreit und leicht. Es ging aber auch den meisten anderen Teilnehmern so. Viele hatten die Nacht sogar durch geschlafen und fühlten sich prächtig. Ich schlief in der darauffolgenden Nacht auch gut.

Eigenartiger Weise war dann aber wieder die Rückvergiftung spürbarer. Ich hatte zittrige Hände und einen leeren Kopf. Arbeiten oder Auto fahren würde ich in diesem Zustand nicht. Deshalb ist es wichtig, dass man die Leber/Nierentees weiter trinkt, um die Giftstoffe aus dem Blut zu schwemmen. Die kommen auch über die Haut heraus: Ich bemerkte beim Duschen, dass sich die Haut besonders stark an Oberschenkeln und Fersen/Fußsohle schuppte und auch beim Haare waschen fühlte sich die Kopfhaut anders an. Der Zustand bessert sich aber von Tag zu Tag.

Da wir viele Tipps zur gesunden Ernährung bekommen haben, stelle ich mich jetzt darauf ein, nehme mehr Gemüse zu mir und vermeide verklebendes Gluten, damit ich meinem Darm etwas Gutes tue. Ich könnte mir vorstellen, dass ich im nächsten Jahr wieder eine Leber/Gallereinigung machen werde, denn ich ahne, dass da noch mehr von diesen Verseifungen vorhanden sind und nachdem ich sie gesehen habe, möchte ich sie absolut nicht mehr in mir herum tragen. Theoretisch könnte man die Reinigung bis zu 4x/Jahr durchführen. Das ist aber nur in extremen Fällen notwendig.

Fazit: Trotz der Mühen des Gemüsesaft-pressens, der genauen Befolgung der to-do-Listen und der unschönen Übelkeit ist es absolut notwendig, meinen Körper mit einer Leber/Gallereinigung zu unterstützen, denn nur so kann der Verdauungsapparat seine Aufgaben wahr nehmen. Nur so kann er die Vitalstoffe aus unserer Nahrung verstoffwechseln und mich dauerhaft gesund erhalten.

Also, auf ein Neues im nächsten Jahr…

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